Entwicklung nach ’45

1947 – die erste Kirmes seit acht Jahren

Kirmesumzug 1950

Nachdem Wochen vorher einige Versammlungen abgehalten  wurden,  ging  es  dann  tatkräftig  und zielbewusst  an  die  Arbeit.  Nur  zwei Monate waren noch bis zur Kirmes und es gab alle Hände voll zu tun. Den größten Kampf, den wir hatten, war der um die Tanzfläche. Erst sollte ein notdürftiges Zelt auf dem Anger errichtet werden, doch dazu fehlte es an Planen. Dann sollte   auf dem   Schulhof,   unter  freiem Himmel eine Tanzfläche gelegt werden. Doch wenn es regnet, was dann?

 

Endlich gelang es uns dann, mit vielen Mühen verbunden, die Turnhalle frei zu bekommen, welche nun von den Kirmesburschen festlich geschmückt und hergerichtet  wurde.  Auf dem Schulhof schlug man Tische   und   Bänke auf. Während nun einerseits vor der Schänke ein Karussell und eine Luftschaukel ihren Platz gefunden hatten, entstanden andererseits in Schuppen und Scheunen Fahrzeuge für den Umzug. Alt und Jung ahnte etwas und die Neugier, vor allem der  Jugend,  wurde  von  Tag zu  Tag größer.

Nun   war   es   so   weit,   der   zweite Kirmestag, der Tag des Hammelausreitens  war gekommen. Die Sonne lachte hell vom blauen Himmel und trugt ihren Teil  zum  Gelingen  des Umzuges bei. Nach dem Hochamt um 11 Uhr setzt sich  der Festzug  in Bewegung. Häuser und Straßen waren einzig geschmückt. Von  der Kapelle Goldmann hatten  11 Blasmusiker auf dem für sie bestimmten Festwagen Platz gefunden und mussten 21 Ständchen spielen. Die Bevölkerung, vor  allem sie Jugend,  die  dieses  noch nicht kannte, war merfreut   und   die Bestätigung dafür war die rege Beteiligung. Eine kleine Verlosung sorgte für Scherze und vor allem für ein gutes Einkommen. Sechs  Fahrzeuge nahmen an dem Umzug teil, es war ja nicht viel, aber für den Anfang doch gut.  Auf der Bahnhofstraße   hatte das Segelschiff „Seeräuber“ Schiffbruch   erlitten und konnte somit  nur  auf  der Hauptstraße langsam mitfahren. Drei Stunden dauerte der Umzug.

Kirmesburschenball am 5. Juli 1947

Die Kirmes ist nun vorbei und es hat alles sehr gut geklappt. Nun sind die Kirmesburschen an der Reihe. Am Sonnabend, den 5. Juli war der Ball. Um
20 Uhr fand sich jeder mit seinem Mädchen ein. Den ganzen Tag schon war es am Regnen und alles bemühte sich, möglichst trocken auf den Saal zu kommen. Kapelle Weber sorgte für Tanz- und Unterhaltungsmusik. Während die Mädchen Kuchen und Torten für die Kaffeepause gebacken hatten, mussten die Kirmesburschen 50 Gr. Fleischmarken oder auch Wurst für das Abendbrot abgeben.

Gruppenfoto 1947
Gruppenfoto 1947

Nach der Begrüßungsansprache von Friedel Otto ließen wir uns das Abendbrot gut schmecken. Auch die Musiker konnten sich richtig satt essen. Von dem zur Verfügung gestellten Freibier, konnte jeder nach Belieben Gebrauch machen. Außerdem war jeder Kirmesbursche mit drei Schnapsmarken bedacht worden und am Ausschank gab es noch genug Getränke. In den Pausen kamen Couplets und Gedichte zum Vortrag, so dass es an Stimmung und Humor nicht fehlte. Um 24 Uhr war Kaffeepause. Hier konnte man das siebente Weltwunder sehen, denn ein Kuchen war noch besser als der andere und so schmeckte es in der großen Gesellschaft besonders gut. Nachdem wir nun noch eine Stunde das Tanzbein geschwungen hatten, ging auch dieser schöne Tag zu Ende und so mancher noch einen weiten Weg, um die Eingeladene wieder nach zu Hause zu bringen.